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Das Interreg-Projekt der WFG wurde zum 31.12.06 erfolgreich abgeschlossen.
Wir informieren Sie selbstverständlich auch in Zukunft über weitere Vorhaben und die Ergebnisse aus den Projekten.

Gegenwärtig

wird durch die WFG und das energieZENTRUM ein Status
Quo – Bericht zur Energieversorgung im Landkreis Schwäbisch Hall erstellt.
In einer weiteren Phase wird ein Energiekonzept für den Landkreis erstellt.
Über die aktuellen Entwicklungen und Ergebnisse werden wir Sie auf dieser Homepage laufend informieren.
 
 
Wie ein Märchen zur Realität wird (20.10.2006)

Güssing ist das Paradebeispiel für die Nutzung regenerativer Energien. Kreisräte und Bürgermeister von der Modell-Gemeinde in Österreich begeistert.

Es war einmal ein bitterarmer Landstrich im Südosten Österreichs. Kaum Arbeitsplätze, 70 Prozent Wochenpendler, die Straßen im Dreiländereck zu Ungarn und Slowenien endeten an der Grenze. Die Zukunftsperspektive war gleich Null. Dann fiel 1989 der Eiserne Vorhang. Da gingen der Bürgermeister und ein findiger Ingenieur hoch auf die Burg aus dem Jahr 1157 und blickten auf das Land. Ihnen kam eine geniale Idee: Es müsse gelingen, die jährlichen Ausgaben für Energie von Kommune und Privathaushalten in Höhe von 6,3 Millionen Euro nicht an Ölscheichs, Gasmonopolisten oder Stromkonzerne zu überweisen. Dann bliebe das Geld und somit die Wertschöpfung in der Gemeinde. Möglich werden sollte das mit einer eigenen Energieversorgung, und zwar ohne fossile Brennstoffe. Der Gemeinderat fasste 1990 den entsprechenden Beschluss.
Ein Märchen wäre jetzt eigentlich zu Ende – nicht aber die Güssinger Erfolgsgeschichte. Zuerst wurde einmal Energie gespart. Die Ausgaben konnten so halbiert werden. Dann wurde konsequent an der Umstellung auf erneuerbare Energien gearbeitet.
Heute ist die Gemeinde Güssing zu 100 Prozent energieautark, der Bezirk zu 47 Prozent. Natürlich hat Güssing vom EU-Beitritt Österreichs im Jahre 1995 erheblich profitiert. Bis zu 60 Prozent Fördergelder gab es für Projekte in dem strukturschwachen Gebiet. In Güssing steht heuer das Europäische Zentrum für erneuerbare Energien (einer der 14 Partner ist übrigens die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Schwäbisch Hall).
 
 
Energie aus Holz

Es gibt ein Kraftwerk, das Strom, Wärme, Biodiesel und Wasserstoff erzeugt – befeuert wird es mit Hackschnitzeln aus den umliegenden Wäldern. Andere Holzkraftwerke erzeugen auch synthetisches Erdgas, das ins Netz eingespeist wird. Die Hackschnitzel liefert der Burgenländische Waldverband. Der Ort wird komplett mit Fernwärme beheizt. Preisgünstige Wärme – das hat zwei große Parketthersteller überzeugt, ihre Produktionsstätten nach Güssing zu verlagern. Das Restholz wird wieder verfeuert, der Kreislauf ist geschlossen. Auch andere Firmen siedelten sich an. 50 neue Betriebe sind entstanden mit 1000 Arbeitsplätzen. Mittlerweile ist Güssing zu einem Wallfahrtort für erneuerbare Energien geworden. Es gibt dezentrale und genossenschaftlich betriebene Wärmekraftwerke, die aus der Kraft der Sonne und mit Holzhackschnitzel kleine Siedlungen mit Fernwärme beliefern – wie in Urbersdorf. Die Kilowattstunde kostet zwischen vier und fünf Cent (in Hall sind es ab 1. Januar 2007 etwa 8,2 Cent). Strom und Wärme erzeugt auch ein großes Biomassekraftwerk, das aus Gras, Klee und Mais Energie macht. Das Schönste ist, dass alles reibungslos funktioniert. Davon haben sich jetzt 30 Kreisräte, Bürgermeister, Spitzenbeamte aus dem Landkreis, Mitglieder des Maschinenrings und der Geschäftsführer der Firma Novatech, Gottfried Gronbach, vor Ort überzeugt.
Apropos Überzeugung: Einer der Väter des Güssinger Modells ist der Ingenieur Werner Rauscher. Und als der wort- und gestenreich mit dem österreichischen Schmäh in der Stimme die Güssinger Erfolgsgeschichte vorstellte, da hing die Haller Delegation förmlich an dessen Lippen. Alles klang so einfach, so logisch. Dabei war der Weg zum energieautarken Ort alles andere als unbeschwerlich. Großen Konzernen musste die Stirn geboten und die Ministerien überzeugt werden. Ebenso die Bürger.
„Zentralistische Energievorsorgung bedeutet Abhängigkeit“, so Rauscher. Die Politik hänge am Gängelband der Konzerne. Und genau aus der Abhängigkeit wollten die Güssinger raus. Mit dezentralen Anlagen und Brennstoffen, die vor der Haustür wachsen. „Der Kreislauf ist die Lösung, nicht wirtschaftliches Wachstum“, so Rauschers Credo. „Wir müssen alles tun, um unseren Kindern einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen“, meinte Rauscher mit Blick auf die vielen Warnzeichen der Natur.
Selbst bei den - im Vergleich zu Deutschland – niedrigen Stromeinspeisevergütungen in Österreich rechneten sich die Kraftwerke. Neue seien bereits in Planung. 40 bis 50 „Nachahmer“ gebe es in Österreich, doch auch in anderen Ländern werde der Güssinger Weg genau verfolgt.
 
 
Delegation beeindruckt

Die Haller Delegation war von den Kraftwerken und der Konsequenz , mit der im Burgenland komplett auf erneuerbare Energien gesetzt wird, tief beeindruckt. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit steckten die Reisenden die Köpfe zusammen, besprachen, was vor Ort möglich sein könnte.
Und sie stellten fest, dass der Landkreis Schwäbisch Hall zwar nicht so weit vorn ist wie Güssing, dass es aber Dank der Politik der Stadtwerke in Hall und Crailsheim und aufgrund privater Initiativen zahlreiche Photovoltaikanlagen, Biogasanlagen, Kraft-Wärme-Kopplungsanlangen und weitere umweltfreundliche Energieerzeugungsanlagen gebe. Doch vieles im Landkreis Schwäbisch Hall sei noch Stückwerk.
 
 
Was soll im Landkreis Hall bis 2010 umgesetzt sein?

Die Haller Delegation ist nach der Infofahrt nach Güssing auf dem neuesten Stand, was die Technik und Anwendungsgebiete der erneuerbaren Energien anbelangt. Unsere Zeitung wollte wissen: Was hat sie besonders beeindruckt und was sollte im Landkreis Hall bis 2010 umgesetzt sein.

- Kurt Engel (Freie):
Beeindruckt hat mich die erfolgreiche Umsetzung der Idee, eine ganze Region autonom mit Energie zu versorgen. Bis 2010 sollte es im Kreis ein Biomassekraftwerk und Weiterbildungsangebote für Energieberater und Solarfachleute geben (wie in Güssing, dort werden arbeitslose Akademiker zu Energiemanagern ausgebildet). Wünschenswert sind auch Fernwärmenetze mit kleinen überschaubaren Einheiten.
- Franz Rechtenbacher (CDU):
Die Gesamtsicht der Energieverbräuche vom Strom bis zum Treibstoff habe ich so komplex bisher nicht betrachtet. Beeindruckt bin ich von der Umsetzung der Überlegungen. Für relativ schnell realisierbar halte ich die Idee einer Fernwärmeheizung mit Hackschnitzel in Verbindung mit Sonnenkollektoren für Wohn- und Gewerbegebiete in kleineren Ortschaften.
- Dieter Vogt (SPD):
Es ist in Güssing gelungen, mit Kreislaufwirtschaft, Initiativen und Innovationen sowie der Wertschöpfung vor Ort im Bereich der Energiewirtschaft aus einer kleinen verarmten Gemeinde innerhalb von 15 Jahren ein blühendes Gemeinwesen mit vielen neuen Arbeitsplätzen zu schaffen. Landwirte und Waldbauern haben neue Perspektiven. Im Kreis Hall könnten Fernwärme und Fotovoltaik wie in Urbersdorf als Pilotprojekt für weitere Initiativen dienen. Ein Biomassekraftwerk sollte im Zusammenspiel der Haller Stadtwerke, dem Forstamt und den Waldbauern mit Zuschüssen von Bund und EU gebaut werden.
- Die Grünen (nach einer improvisierten Fraktionssitzung im Bus):
„Geht nicht, gibt’s nicht“ als Leitidee einer benachteiligten Region. Was in Güssing gemacht wird, ist gut für die Umwelt (Klimawandel) und gut fürs Geschäft (Arbeitsplätze). Das zeigt: Ökologisches Handeln ist wirtschaftlich. Mehrere Projekte sollten angegangen werden: - ein Biomassekraftwerk in einer ländlichen Gemeinde; - die Gasverwertung in Kläranlagen in kleinen Gemeinden ist zu prüfen und zu optimieren; - Energiemanager sollten beim energieZENTRUM angestellt werden (finanziert durch Energieeinsparungen); - Ausbau des Infosystems für Schulklassen (jeder Schüler sollte einmal nach Wolpertshausen); - Projekt Abi und Beruf (parallel zur schulischen Ausbildung eine technische „Energie“ausbildung, zum Beispiel als Ersatz des Praxissemesters an Fachhochschulen).
- Friedrich Bullinger (FDP):
Beeindruckt war das Besinnen auf die eigenen Stärken und Möglichkeiten in der Region sowie die „Denke“ bei der Energiepolitik, die Wertschöpfung vor Ort zu halten und sich nicht Multis und Konzernen auszuliefern. Der Anteil der regenerativen Energien aus Holz, Biomasse und Sonne sollte ebenso erhöht werden wie die Zahl der Blockheizkraftwerke (in Betrieben, bei Bürgern und den Stadtwerken) – aber ohne fixe Jahreszahlen. Nachholbedarf gibt es in den Gremien bei Kreistag, Bürgermeistern und Gemeinderäten.
- Werner Iländer (Umweltdezernent des Landkreises):
Beeindruckt hat mich die kleine Anlage für Fernwärme in Urbersdorf, nicht nur wegen der umweltfreundlichen Holzenergieverwendung, sondern auch wegen der genossenschaftlichen Organisation, wo sich jeder für die Anlage verantwortlich fühlt. Eine solche Anlage, verbunden mit Stromgewinnung sollte an geeigneter Stelle (Neubaugebiet) bis 2010 errichtet werden. Dann könne sich diese Technik im Landkreis so schnell wie im Burgenland ausbreiten.

Jochen Korte; Haller Tagblatt, Hohenloher Tagblatt, Gaildorfer Rundschau vom 20.10.2006



Regionale Wertschöpfung durch eigene Energiegewinnung
Symposium „Energie aus Biomasse“ zeigte, wie es gehen kann

über 100 Bürgermeister und Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft Baden-Württembergs und Bayern sind am 12. März 2007 der Einladung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Schwäbisch Hall und des energieZENTRUMs gefolgt und nahmen am Symposium „Energie aus Biomas-se“ in Wolpertshausen teil. Wie Energie aus Biomasse gewonnen werden kann, welche regionale Wertschöpfung und welche kommunalen Entwicklungen damit verbunden sein können, war Thema des Symposiums in Wolpertshausen.

Das Modell Güssing stand dabei als europäisches Best-Practice-Beispiel im Vordergrund des Symposiums. Güssings Bürgermeister Peter Vadasz berichte-te von der beeindruckenden Entwicklung der 4.000 Einwohner zählenden Ge-meinde. Das Engagement, energieautarke Stadt zu werden, brachte bislang über 50 neue Betriebsansiedlungen und mehr als 1.000 neue Arbeitsplätze. 13 Mio. €/Jahr Energieumsatz bleiben nun in der Region erhalten. Bei der Ener-giegewinnung setzt die Stadt vor allem auf den reichlich vorhandenen Energie-träger Holz.
„Holz ist genial“, titelte dann auch Dipl. Ing. Dr. Johann Geyer vom Forschungs-institut für Erneuerbare Energie in Güssing seinen Vortrag. Er zeigte den „Bio-massebedarf der Zukunft“ auf und machte klar, dass auch seiner Sicht Holz ein idealer Energieträger ist, nicht zuletzt wenn es um Stickstoff- und Chlorgehalt geht. Auch vor dem Hintergrund, dass vor allem der Bedarf an elektrischer E-nergie bis zum Jahr 2020 überproportional stark im Vergleich zum Wärmeener-giebedarf ansteigen wird, kann Holz eine Antwort auf viele Fragen sein.
In seinem Vortrag „Kosten für die Biomassebereitstellung“ kommt Dipl. Ing. Mi-chael Seiffert vom Institut für Energetik und Umwelt Leipzig zum Schluss, dass derzeit der Straßentransport in der Regel die wirtschaftlich günstigste Alternati-ve darstellt. Die Lagerung und der Umschlag von Biomasse sollten limitiert wer-den. Seiner Meinung nach versprechen Energiepflanzen derzeit noch keinen Nutzen in Bezug auf die Biomassebereitstellung.
„Holzmobilisierung – der Burgenländische Weg“ war Thema von Dipl. Ing. Her-bert Sattler vom Burgenländischen Waldverband. Um Holz als Energieträger einsetzen zu können, bietet der Waldverband Forstdienstleistungen wie den „ab Stock-Service“ an und macht Bewirtschaftungsverträge für Waldbesitzer. Daneben setzt der Waldverband auf Waldpachtmodelle für Gemeinden sowie Kurzumtriebswälder zur Produktion von Biomasse für Landwirte.
Welche Technologien in Güssing eingesetzt werden, um vor allem aus Holz Wärme und Strom zu gewinnen, stellte zum Abschluss Dr. Johann Geyer dar. Im Zusammenspiel mit der ortsansässigen Parkettindustrie werden Biomasse-Kraftwerke und ein Heizwerk mit Restholz und Sägespäne gespeist. Aufgrund der derzeit rasant steigenden Holzpreise wurde die Entscheidung getroffen, langfristig die Holzversorgung auf Kurzumtriebsplantagen umzustellen. Die ers-ten 50 ha für 2007 hierfür sind beschlossen.

Die Veranstaltung hat den Teilnehmern Impulse für ihre Pläne zur Gewinnung regenerativer Energien gegeben. Das energieZENTRUM, das mit dem Europäi-schen Zentrum für Erneuerbare Energie in Güssing kooperiert, unterstützt Kommunen bei einer Energiekonzeption und deren Umsetzung.
Das Symposium wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Programm REGIONEN AKTIV unterstützt.

Der Tagungsband „Energie aus Biomasse“ ist beim Regionalmanagement der WFG Schwäbisch Hall, Melanie Schlebach, Telefon 07904/942 146, Email: schlebach@hohenloheaktiv.de und im Internet unter www.hohenloheaktiv.de erhältlich.

 

 

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